Programm

Veranstaltung 

Titel:
Kirchenoper Benjamin Britten: Fluss der Möwen
Wann:
24.09.2009 20.30 Uhr
Wo:
Kirche des Collegium Leoninum (Leo-Konvikt) -
Kategorie:
Kirchenoper

Beschreibung

Koproduktion des Festivals Musica sacra Paderborn 2009 und des
Landestheaters Detmold
Eintrittspreise: 20,50/19,-/14,50/9,50 € und Ermäßigungen

 

Mit „Fluss der Möwen“ vollenden das Festival Musica sacra Paderborn und das Landestheater Detmold die Trilogie der Kirchenopern von Benjamin Britten. Nach den biblischen Geschichten „Der verlorene Sohn“ (2007) und „Die Jünglinge im Feuerofen“ (2005) ist diesmal eine japanische Vorlage Grundlage der „Parabel zur Aufführung in der Kirche“, wie Britten seine Opern nannte. „Fluss der Möwen“ aus dem Jahr 1964 ist das älteste der drei Stücke. Die Entstehung wirkt wie eine Veranschaulichung des diesjährigen Festival-Mottos „Unter einem Himmel“ und ist Ausgangspunkt der wiederum asiatisch anmutenden Inszenierung: Britten war nach einer Japan-Reise fasziniert vom dortigen Nô-Theater gewesen und hatte zunächst versucht, eine Nô-Oper nach dem Nô-Stück „Sumidagawa“ aus dem 15. Jahrhundert zu schreiben. Erst im Laufe der Arbeit entschied er sich für eine Verbindung des Stoffes und der japanischen Theaterästhetik mit dem europäischen Mysterienspiel.

Regisseur und Nô-Spezialist Frank Düwel, der bereits die anderen zwei Werke inszenierte, folgt dieser Linie:

„Nô ist Ergebnis von Jahrhunderten japanischer Kulturgeschichte und für die Darsteller eine Lebensaufgabe. Es wäre töricht und zum Scheitern verurteilt, das kopieren zu wollen. Brittens Ziel, dem auch wir uns verpflichtet fühlen, war daher nicht äußerliche Kopie, sondern Annäherung an innere Prinzipien des Nô-Theaters mit den europäisch-christlichen Traditionen und Mitteln. Dazu gehören die strenge Ritualisierung, die musikalische ′Übersetzung′ auf das sehr kleine Orchester mit fast süchtig machender Musik und die Darstellung aller Rollen durch Männer. Ein wichtiges Ziel ist es, das Publikum als Gemeinde einzubeziehen, fast wie bei einem Gottesdienst. Die Kirche ist nicht Kulisse, sondern trägt als heiliger Ort Bedeutung. Wir haben diesmal die Kirche im Leo-Konvikt ausgewählt, weil wir dort durch die Sitz-Anordnung wie im Chorgestühl extreme Nähe zwischen Darstellern und Publikum herstellen können. Das verbessert auch erheblich die Verständlichkeit der Texte.“

Wie das europäische Mysterienspiel hat auch Nô-Theater sakrale Grundlagen. Göttliche Offenbarungen sind fester Bestandteil der Handlung. Auch in „Fluss der Möwen“ ist eine solche Offenbarung der Höhepunkt: Der Geist des toten Kindes befreit seine Mutter, die am Fluss der Möwen nach dem verlorenen Kind suchte und vor Schmerz wahnsinnig geworden war, von ihrem Wahnsinn.

Mit der enzyklopädischen Leistung der vollständigen Präsentation der Trilogie leisten das Festival Musica sacra Paderborn und das Landestheater Detmold wie schon das Theater Heidelberg, das die drei Werke 2007-2009 zeigte, einen wichtigen Beitrag dazu, die genialen Stücke zum lebendigen Bestandteil des Repertoires zu machen.



Veranstaltungsort

Ort:
Kirche des Collegium Leoninum (Leo-Konvikt)