Einer der diesjährigen Musica sacra - Höhepunkte: die Eigenproduktion "Anabasis - Zu den Quellen".

Restlos ausverkaufte Konzerte, minutenlange stehende Ovationen, begeisterte Künstler und ein schwer beeindrucktes Publikum: Über zwei Wochen lang hat das Festival Musica sacra Paderborn 2011 unter dem Motto „Bach an den Quellen“ einmal mehr Meilensteine im Paderborner Kulturleben gesetzt. Am Sonntag, 9. Oktober, ist die Biennale für sakrale und spirituelle Musik, die in diesem Jahr bereits zum siebten Mal stattfand, mit einem ordentlichen Paukenschlag zu Ende gegangen.

Mit gleich fünf hochkarätigen Abschlussveranstaltungen verabschiedete sich das Festival von seinem hoch zufriedenen Publikum. Von der Bach-Kantate in der Abdinghofkirche über zwei Aufführungen des eigens für Musica sacra geschriebenen Kindersingspiels „Das entscheidende Spiel“ bis hin zur Landpartie in der Mutterhauskirche Salzkotten und der krönenden Bach-Orgel-Nacht im Hohen Dom – an diesem letzten Festivalsonntag konnten sich die Musik- und Klassikfans noch einmal eindrucksvoll davon überzeugen, wofür das Festival Musica sacra Paderborn seit 1999 steht: eine durch und durch spannende Programmpolitik mit zahlreichen Uraufführungen, Auftragswerken, und der bewährten Mischung aus nationalen, internationalen und ortsansässigen Größen.

Den Auftakt des Festivals machte auch in diesem Jahr die Spirituelle Nacht, die für viele Musica sacra – Fans die liebste aller Veranstaltungen ist. Mehr als 5.000 Besucher flanierten am 24. September durch die Paderborner Innenstadt, um den vielen Gratis-Konzerten zu lauschen. 24 Ensembles und Einzelkünstler – so viele wie noch nie – ließen an den unterschiedlichsten Orten vom Raum für Kunst bis zum Hohen Dom die unterschiedlichsten formen von Spiritualität erfahrbar werden. Manche Veranstaltungen mussten schon nach wenigen Minuten wegen Überfüllung geschlossen werden, etwa die „Lieder des ewigen Schnees“ der tibetischen Sängerin Namgyal Lhamo in der Bartholomäuskapelle. Diese Begeisterung des Publikums schlug sich auch beim Kassensturz nieder – in Form des höchsten Spendenergebnisses aller Zeiten.

Einer der Höhepunkte des Festivals war ohne Frage die fulminante Eigenproduktion „Anabasis – Zu den Quellen“. Bach-Motetten, a cappella in Vollendung vom Arnold Schoenberg Chor gesungen, Camus’ berühmter Text „Der Mythos von Sisyphos“ in kongenialer Bearbeitung und Schlagzeug-Improvisationen lieferten das Gerüst für Beiträge zeitgenössischer Künstler aus Sparten wie Tanz, Videokunst und Light Design. Hier war der Andrang am 2. Oktober so groß, dass die Organisatoren kurzfristig Hörplätze im Eingangsbereich der Kaiserpfalz einrichten und trotzdem schweren Herzens noch einige Besucher wieder nach Hause schicken mussten.

Auch „Play Bach“ war ein voller Erfolg – und das, obwohl der Pianist Jacques Loussier seinen Auftritt kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. David Gazarov sprang kurzerhand für den Altmeister ein und schaffte es ohne Probleme, das Publikum in der fast ausverkauften Paderhalle in seinen Bann zu ziehen. In der Presse wurde Gazarov anschließend als „Teufel am Klavier“ gefeiert.

Nicht weniger fantastisch war die Aufführung der „Arabischen Passion nach Johann Sebastian Bach“. Das Ensemble Sarband und das Modern String Quartet nahmen ihr Publikum mit auf die Reise in eine Welt, in der traditionelle arabische Musik, Jazz und Bachs große Passionen eindrucksvoll miteinander vereint werden. Belohnt wurden sie dafür mit Standing Ovations vom restlos begeisterten Publikum.

Als Partner des Festivals steuerten Oratorienchöre und das Kulturamt der Stadt zudem einige hervorragend besuchte Konzerte bei, etwa das Sinfoniekonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie und Bachs h-Moll-Messe mit der Domkantorei. Auch hier gab es Entdeckungen wie „Das Sühnopfer des Neuen Bundes“ von Carl Loewe und John Rutters „Mass of the Children“ mit der Abdinghofkantorei sowie die ergänzte Fassung von Mozarts c-Moll-Messe mit dem Städtischen Musikverein.

Neben den Flagschiff-Konzerten gab es auch in diesem Jahr viele kleine Veranstaltungen, die sich von der Qualität her aber nicht hinter den Großen verstecken mussten, im Gegenteil. Egal ob „Die Legende vom Heiligen Trinker“ nach Joseph Roth, die Neue Musik nach Bach mit dem Ensemble Horizonte oder das Streitgespräch „Darf man Bach auch nicht mögen?“ – das Publikum war dort zwar kleiner, aber nicht weniger begeistert. Es sind eben auch diese Nischenveranstaltungen, die das Festival Musica sacra ausmachen. Dazu gehörten auch „Bach goes Vodou – Vodou Counterpoint“ und der Auftritt des Kommandos Elektrolyrik, die extra für Musica sacra umjubelte Programme erarbeitet hatten.

Ein voller Erfolg war auch die Premiere der sonntagnachmittäglichen Landpartien in einige der schönsten Kirchen rund um die Kernstadt Paderborn. Auch der Gewölbesaal in Schloß Neuhaus als Schauplatz für die atmosphärisch und musikalisch überzeugende „Klangkultur Islam“ war eine Neuentdeckung. Die Musica sacra im Rahmen der Liturgie der Sonntagsgottesdienste blieb ebenso fester Bestandteil des Festivals wie die Konzerte für Schulen. Überraschend war der spektakuläre „Ave-Maria-Flashmob“ in der Libori-Galerie, an dem auch die Teilnehmer des Workshops „Bach singen an den Quellen“ teilnahmen.

Die Festivalleitung um Intendant Prof. Dr. Dr. Gerhard E. Ortner ist deshalb mehr als zufrieden mit dem Verlauf des diesjährigen Festivals Musica sacra Paderborn und freut sich zusammen mit der Festival-Gemeinde schon jetzt auf die nächste Auflage im Jahr 2013.

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